Kann man das Smartphone und Tablet ergonomisch nutzen

Kann man das Smartphone und Tablet ergonomisch nutzen? – Gedanken zur aktuellen Gerätegeneration

Täglich nutze ich ein Laptop bei der Arbeit, mein Smartphone wenn ich unterwegs bin und abends aufm Sofa auch noch mein Tablet. Irgendwie sind diese digitalen Helfer schon richtig im Alltag integriert und eigentlich will man sich diese „Dinger“ auch nicht mehr wegdenken. Doch für mich stellte sich dann irgendwann mal die Frage, ob man diese Geräte eigentlich auch ergonomisch nutzen kann?

 

Was nochmal war Ergonomie?

Die Ergonomie ist die Wissenschaft zur Optimierung der Arbeitsbedingungen im Hinblick auf die Vermeidung bzw. Reduzierung von gesundheitlichen Schäden. Wer seinen Arbeitsplatz im Büro hat, kennt den Begriff Ergonomie sicherlich im Zusammenhang mit einem höhenverstellbaren Schreibtisch und anpassbarem Bürostuhl. Wie kann ich also meinen Arbeitsplatz am Schreibtisch nicht nur so schön wie möglich, sondern vor allem auch so gesund wie möglich gestalten? Nicht nur allein durch die digitale Transformation ausgelöst, scheint derzeit der Trend zum mobilen Arbeiten zu gehen. Jederzeit und von überall auf der Welt zu arbeiten ist das Bedürfnis vieler Arbeitnehmer. Neben Laptops helfen uns Smartphones und Tablets dabei dieses Bedürfnis zu stillen. Doch es gibt auch einige Unternehmen, die wieder von der mobilen Arbeit abgekommen sind und zu „alten“ Arbeitsmodellen zurückkehren. Ist hier die Ergonomie, die durch die mobile Arbeit nicht mehr unter der „Kontrolle“ der Arbeitgeber ist, ein Grund dafür? Was uns aus der Bürowelt über Ergonomie schon längst bekannt ist, ist im Bereich von mobiler Arbeit am Tablet oder Smartphone noch relativ neu.

 

88-mal am Tag schaut jeder aufs Handy

Viele folgen dem Trend des mobilen Arbeitens relativ schnell, doch es wird erstmal wenig darüber nachgedacht, ob dieser Trend ebenso schnell auch den ergonomischen Anforderungen gerecht werden kann und wird. Ich meine jetzt nicht das einmalige Arbeiten am Laptop zu Hause aufm Sofa. Mir geht es mehr um die Smartphones und Tablets.

Beide Geräte sind einfach über Touchscreens zu bedienen und man benötigt noch nicht mal alle 10 Finger um diese vernünftig zu bedienen. Doch wie sieht es hier mit der Ergonomie aus? Nüchtern betrachtet sind das Smartphone und das Tablet flache, viereckige und mit Technik vollgepackte Geräte. Weit gefehlt von ergonomischem Design. Hier steht mehr die Funktion im Vordergrund um so viele Anwendungsfälle wie möglich abzudecken. Laut Studie schaut jeder bis zu 88-mal am Tag aufs Handy. Aber es wird ja nicht nur geschaut, sondern ebenso auch gepostet, getwittert, gegoogelt, E-Mails und WhatsApp verschickt, Fotos geschossen oder einfach nur telefoniert. Die Liste kann noch beliebig weiter fortgeführt werden, aber die Kernaussage ist, dass wir die Geräte ständig in unseren Händen halten.

 

Touchscreens belasten unsere Hände mehr als normale Tastaturen

Die Geräte sind relativ handlich und können so auch in sämtlichen (nicht immer gesundheitsfördernden) Körperhaltungen bedient werden:

  • Viel mehr als Früher sind unser Nacken und die Halswirbelsäule gefordert diesen Belastungen Stand zu halten.
  • Die Gelenke in den Fingern werden durch die Toucheingabe stärker belastet als bei einer normalen Tastatur. Das liegt hauptsächlich daran, dass Touchscreens heute noch kein taktiles Feedback geben. Virtuelle Tastaturen werden bis zu 8-mal stärker angeschlagen als mechanische Tastaturen, denn mechanische Tastaturen geben beim Betätigen einen Widerstand und Druckpunkt als Feedback – das schont die Gelenke.
  • Durch die Funktion von Multitouch Gesten werden auch unsere Handgelenke stärker belastet und können bei falscher Stellung zu Verletzungen führen.

Ich denke hier gibt es noch viele Aspekte die man aufführen könnte, doch lassen sich denn Smartphones und Tablets nicht doch ergonomisch nutzen?
  
Hier einige kleine Tipps wie es ergonomischer werden kann:

  • Smartphones und speziell Tablets sollten besser horizontal als vertikal verwendet werden. Unsere Arme und Hände sind gegenüber der vertikalen Haltung so in einer schonenderen Haltung. Am besten wäre es sogar, dass Smartphone oder Tablet beim Lesen direkt auf Augenhöhe zu haben. Der Nacken ist besser entspannt, denn wir schauen so schon viel zu oft nach unten.
  • Verwenden Sie beim Schreiben von längeren Texten eine externe Tastatur. Bluetooth Tastaturen lassen sich leicht mit dem Smartphone und Tablet koppeln und man hat beim Tippen wieder den gewohnten Druckpunkt.
  • Verwenden Sie beim Schreiben mit der Tastatur einen Smartphone/Tablet Halter. Dieser hält ihr Gerät aufrecht, ähnlich wie wir das von einem Laptop-Bildschirm kennen. Oft ist das in Schutzhüllen oder Covers bereits integriert. So müssen Sie beim Tippen nicht auf ein flach liegendes Gerät schauen und ihr Nacken wird wieder mehr entlastet.
  • Je nach Gerätemodell lassen sich auch eine Dockingstation anschließen, so dass Sie wieder einen normal großen Bildschirm vor sich haben und ebenso auch eine vollwertige Tastatur.

 

Halten wir fest: Ergonomisch nutzen lassen sich die Geräte ohne externem Zubehör auf Dauer nicht. Selbst mit externem Zubehör wird die Ergonomie auch nur teilweise hergestellt. Wer schon mit einer externen Tastatur tippt, ebenso einen Halter für das Gerät einsetzt, hat vermutlich immer noch nicht den richtigen Stuhl und die dazugehörige Tischhöhe gerade parat um hier möglichst schonend zu arbeiten. Ich bin gespannt was die nächsten Gerätegenerationen mit sich bringen. Vielleicht einmal weniger neue Features, dafür ein ergonomischeres Design.

Dieser Artikel erschien auch als Gastartikel auf www.joma.ch (Link)

 

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